AIRRUS

Parteikolumne


Ein Brief an einen Zahnarzt, einen Schlachter im Namen von Hippokrates

Ein Brief

P.S.

P.P.S.


Sehr geehrter Herr Meier[1],

stellen Sie sich vor, sie kommen zu einem Orthopäden wegen eines Knochenbruchs und bekommen gleich eine Hand abgeschnitten, da der Doktor statt „Knochenbruch“ „Gangarena“ verstanden hat. Kann nicht sein, sagen Sie, weil es zwei grundverschiedene Worte sind, die man in keiner Weise verwechseln kann? Von wegen. Sie sind nicht verschiedener als die Worte „Fühlung“ und „Krone“. 

Eine ähnliche Geschichte ist mir bei Ihnen am 25. April 2005 in Ihrer Praxis passiert. Ich kam wegen Fühlungen am  5. sowie am 6. Zahn und ging von Hof mit zwei provisorischen Kronen, jedoch diese am 4. (!) und am 5. Zahn. Die Hand kann man nicht wieder anwachsen lassen, genau wie es nicht möglich ist, Zähne wieder in ihren Originalzustand zurück zu zaubern. Ab dato muss ich für immer meine Umwelt mit zwei abgeschliffenen Zähnen beglücken.

Der Orthopäde mit dem Knochenbruch mag auch keine Augen haben, da dieser meiner Fantasie entsprungen ist. Sie aber haben sicherlich gesehen und hätten unterscheiden müssen, wo kranke, kariöse oder sonst wie beschädigte Zähne lauern und wo im Gegensatz dazu „stinknormale“ Zähne sind. Im menschlichen Mund führen ihr bissiges Dasein, wie es Ihnen sicherlich bekannt ist, 32 Zähne. Sie bieten einem Spezialisten mehr als 32 Möglichkeiten, dessen Kreativität auf voller Kieferlänge zu entfalten. So gesehen, ist jeder Mund ein Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

Mein Mund dagegen wurde nach Ihren Eingriffen zu einem Land der begrenzter Möglichkeiten. Wir alle haben jetzt auch nicht all zu viel Chancen, dieses zu ändern.

Leider konnte ich mich erst spät an Ihrem Werk an meinen Zähnen erfreuen. Meine Kiefer und Zahnfleisch standen unter Betäubung, dabei stellte es sich natürlich als unmöglich heraus, Ihre Arbeit zu kontrollieren und Ihnen gute Ratschläge zu geben. Für mein anderweitiges Fachwissen und blindes Vertrauen in Menschen bitte ich Sie um Entschuldigung.

Im Gegenzug erwarte ich von Ihnen auch eine tatkräftige Entschuldigung in Form der kostenlosen Instandsetzung meiner Zähne mit den angemessenen Kronen, um die Schäden, die Sie mir als fachwissender und damit auch verantwortlicher Arzt zugefügt haben, zu minimieren.

Für weitere Fragen zu mir oder meinen Zähnen stehe ich Ihnen gern auf dem Postwege zu Verfügung.

Schöne Grüße

Ihre beinah Zahnlose Fee A.

 

P.S. Überflügelt von Ihrer Therapie kam ich über Nacht auf einen patentsicheren und wegweisenden Verbesserungsvorschlag zu medikamentenfreier Bekämpfung der Kopfläusen. Unsere (ich hoffe, Kollege, ich darf hier diese Begrifflichkeit anwenden), unsere Methode spart Zeit, Kosten und garantiert hundertprozentige Heilung. Hören Sie auch weiterhin nicht auf Ihre Patienten. Die Medizin machte ohnehin einen großen Fehler, als sie sich hinter Patientenwünschen herschleppte und Jahrhunderte lang mit der Entfernung der einzelnen Läusen befasste. Erst Ihre wegweisende Stummheit brachte uns den Durchbruch. Warum eine Fühlung, wenn es auch mit einer Krone geht und warum nur eine Läuse, wenn sich gleich die ganze mehrbeinige Kolonie als nichtverfehlende Zielscheibe für einen Massenmord anbietet? Der Trick ist simple: wie ein Gärtner eine Kartoffelpflanze entwurzelt, die mit Colorado-Käfer befallen wurde, so sollte ein Fachmann auch der betroffene Kopf samt seine lästigen Bewohner abreißen. Kostengünstig und fachgerecht.

Ein kleiner Eingriff für den Arzt und welch ein großes Nutzen für die Menschheit.

Kostengünstig und fachgerecht - auf diese Weise stellen sich einige unserer Politiker die zukünftige Medizin vor. Natürlich, nichts gegen kostengünstig und fachgerecht in jeder denkbaren Disziplin auf den Erden. Aber, wo wir gerade über die Mutter Erde sprechen, begreife ich langsam, dass dieses Viel-Für-Wenig-System nicht nur der Menschheit nutzt, sondern ungewollt der Entwicklung der angewandten Erdkunde beiträgt. Wenn auch die Mediziner Autohersteller mir ihrer Block-Tausch-Denkweise freudig nachahmen werden, wird Hippokrates, im Grabe drehend, als erster Mensch den Erdkern erreichen.

 

P.P.S. Werde ich wenigstens zur Patentverleihung mit den neuen Kronen erscheinen?

 


[1] Die Namen, sowie Personen und ihre Bestandteile, die in diesem Brief vorkommen, sind frei erfunden worden. Jede Ähnlichkeit ist zufällig. Alle sonstigen Angaben sind wie immer ohne Gewähr.

 

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Letzte Aktualisierung: 02.05.2005

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